Der erste Monat in Bolivien
AUSTAUSCHJAHR!! Für viele ein unendlich weiter Begriff! Aufbruch in ein fernes Land, eine neue Sprache, eine völlig fremde Umgebung, eine neue Familie. Aber auch ein Jahr allein, weit weg von Eltern, Familie und Freunden. Ein Auslandsaufenthalt, im Alter von 15, 16 oder 17 Jahren, ist ein gigantischer Schritt, verbunden mit viel Freude, Glück, neuen Erfahrungen und schönen Erlebnissen, aber auch mit Problemen, Sprachbarrieren und Heimweh.
Vor etwa einem Monat, am 17. Juli 2008, bin ich zusammen mit etwa 30 anderen AFSern nach Bolivien aufgebrochen. Auf diesen Tag habe ich fast ein Jahr gewartet, mit einer Mischung aus unglaublicher Vorfreude auf eine neue Welt und mein neues Leben, und schrecklicher Trauer, denn an diesem Tag musste ich allen, die mir wichtig sind, und meinem ganzen Leben in Deutschland für ein Jahr auf Wiedersehen sagen. Die Reise nach Bolivien war unglaublich lang, und ich hatte keine Vorstellung, was mich erwarten würde, doch irgendwann bin ich im El Alto International Airport in Bolivien angekommen, gerade zum Sonnenaufgang. Es war einfach ein unglaublicher Moment!
Bolivien ist ein wirklich besonderes Land, und ganz anders als Deutschland. Nach zwei Tagen Welcome-Camp kam ich in meine Familie, es war ein weiterer unbeschreiblicher Moment, als ich meine neuen Eltern und meine zwei Brüder das erste Mal gesehen habe. Ich wurde unglaublich herzlich empfangen und habe mich sofort wie zu Hause gefühlt. Heute, nach einem Monat, nenn ich meine Gasteltern ohne Scheu Mamá und Papá, necke meinen kleinen Bruder und auch die beiden Hunde hören auf mich!
Der ersten Tage hier vergingen wie im Traum. Von einen kleinen, verschlafenen Küstendorf in Norddeutschland ging es für mich allein in die chaotische, riesige 2-Millionen-Stadt La Paz, mein Spanisch war sehr schlecht und ich habe überhaupt nichts verstanden. Es war wirklich unreal, ich konnte nicht glauben, auf einmal 10 000 km von meiner Familie weg zu sein, aber mit der Zeit habe ich mich eingelebt. Tag für Tag habe ich ein wenig mehr von der Stadt kennen gelernt, mit jeder Stunde ein wenig mehr Spanisch verstanden. Heute versteh ich fast alles, was auf Spanisch gesagt wird, ich kann alleine einkaufen gehen, im Restaurant bestellen, Taxi fahren und mich mit meiner Familie und meinen Freunden unterhalten.
Seit einer Woche bin ich hier in meiner bolivianischen Schule. Am Anfang hatte ich wirklich Angst, denn wer weiß, was mich erwartet. Werde ich Freunde finden, werde ich mich verständigen können? Doch der Anfang war überhaupt nicht schwer, denn Bolivianer sind sehr herzliche, offene Menschen. Meine Klassenkameraden kamen gleich auf mich zu, fragten mich, wie mir Bolivien und La Paz gefällt, wie Deutschland ist, haben mich zum Tanzen eingeladen und vieles mehr. Die Schule an sich ist nicht mit Deutschland zu vergleichen, aber wenig ist hier vergleichbar, denn das Leben in La Paz ist vollkommen anders.
Nach nur einem Monat fühle ich mich hier sehr geborgen, ich habe eine supertolle Familie, neue deutsche und bolivianische Freunde, und ich lerne mit jedem Tag mehr Spanisch. Mein Leben hat sich unglaublich verändert und ist sehr aufregend. Ich genieße jeden Tag und kann mir schon gar nicht mehr vorstellen, wieder in Deutschland zu leben.
Maria Therese Wiemer, Bolivien

ehrenamtliche Mitarbeiter